Schulsystem in Deutschland

In den deutschen Schulen beginnt das neue Schuljahr nicht überall im Sep­tember. Das Schulsystem in Deutschland ist Sache der Bundesländer. Die Bundesländer bestimmen die Ferientermine und auch die Lehrpläne der Schulen. Darum beginnt das neue Schuljahr in einigen Bundesländern schon im Juli und August.

Das Schulsystem hat drei Stufen: die Primarstufe, die Sekundarstufe I und die Sekundarstufe II. Jungen und Mädchen, die am 30. Juni sechs Jahre alt sind, gehen im Herbst in die Schule. Am ersten Schultag bekommen die Schüler der ersten Klas­sen, die Abc-Schützen, große Zuckertüten. Was ist in der Tüte drin? Das sind Bleistifte, Kulis, Bonbons, Schokolade, Spielzeug und andere Geschenke. Das ist eine alte Tradition in Deutschland. Schön, was?

In der Grundschule lernen die Kinder lesen, schreiben, rechnen. Musik, Naturkunde, Turnen, Kunst, Religion und Handarbeit stehen auch auf dem Stundenplan. In vielen Grundschulen lernt man auch eine Fremdsprache. In der 4. Klasse ist die Grundschule zu Ende.

Nun beginnt die Sekundarstufe. Hier gibt es verschiedene Wege: Hauptschule, Realschule oder Gymnasium.

Etwa die Hälfte der Schüler besucht die Hauptschule. Sie umfaßt gewöhnlich die Klassen 5 bis 10 und bereitet ihre Schüler auf die Berufswahl vor. Von besonderer Bedeutung ist hier deshalb das Fach "Arbeitslehre". Nach dieser Schule können die Jugendlichen in einer Berufsschule lernen. Die Mehrzahl der Schüler lemt nach dem Hauptschulabschluß einen Beruf und besucht gleichzeitig die Berufsschule. Der Übergang in eine andere weiterführende Schule ist möglich, was von etwa einem Viertel der Schüler genutzt wird.

Die Realschule bereitet die Schüler auf höherqualifizierte Berufe vor und läßt Übergänge in andere Schularten zu. Der Realschulabschluß heißt auch „mittlere Reife" oder „Fachhochschulreife" und berechtigt zum Besuch einer Fachoberschule, eines Fachgymnasiums oder zum Übergang auf ein Gymnasium. Die Realschule umfaßt die Klassen 5 bis 10 und beginnt mit einem Probehalbjahr. Wenn die Schüler in diesem Halbjahr gute Leistungen haben, können sie in der Realschule weiterlernen. Wenn das Lernen einem hier schwerfällt, kann er wieder in die Hauptschule gehen. Nach der Realschule kann man einen Beruf erlernen oder eine Berufsfachschule besuchen. Neben dem Pflichtunterricht gibt es hier für die Schüler verschiedene Wahlpflichtkurse. Diese Kurse wählen die Schüler selbst.

Etwa ebenso viele Schüler, die sich für die Realschule entscheiden, besuchen ein Gymnasium. Das Gymnasium schließt mit dem "Abitur" oder "Reifezeugnis" ab, das zum Studium an einer wissenschaftlichen Hochschule berechtigt. Die Schüler in den Klassen 11 — 13, die das sogenannte Oberstufengymnasium besuchen, haben gewisse Wahlmöglichkeiten, d.h. man kann sich für bestimmte Fächer, die vielleicht für die Berufswahl ausschlaggebend sind, entscheiden, andere dagegen abwählen. Wenn ein Schüler nach der Grundschule in ein Gymnasium kommt, so lernt er hier 9 Jahre. Am Ende der Klasse 13 macht er das Abitur. Erst nach dem Abitur kann man auf eine Hochschule oder eine Universität gehen. Das Gymnasium hat auch eine Orientierungsstufe. Die Fremdsprachen spielen im Gymnasium eine wichtige Rolle. Zuerst sind das zwei Fremdsprachen: Englisch und Französisch und dann auch manchmal Latein oder Griechisch, wenn man auf den sprachlichen Zweig geht. Das Gymnasium hat aber auch einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig, wo man nur eine Fremdsprache lernt.

Ein anderer Weg ist die Gesamtschule, wo die oben genannten Schultypen zusammengefaßt sind. Integrierte Gesamtschulen sind Schulen, in denen die Schüler ohne Zuordnung zu einer Schulart gemeinsam unterrichtet werden. Auch hier können die verschiedenen Abschlüsse (Hauptschule, Realschule, Gymnasium) gemacht werden. Die Schüler verlassen die Schule je nach Begabung früher oder später.

In Deutschland gibt es auch Privatschulen, darunter die Waldorfschulen staatlich anerkannte Ersatzschulen in freier Trägerschaft sind. Die erste Waldorfschule wurde 1919 von Emil Molt, Besitzer einer Fabrik in Waldorf, und Rudolf Steiner, Pädagoge, gegründet. Das war eine ganz neue Schule. Sie war für die Kinder der Fabrikarbeiter bestimmt und sollte eine besonders günstige Atmosphäre für die Persönlichkeitsbildung der Schüler schaffen. Heute gibt es über 400 Schulen in der Welt, die nach diesem Modell arbeiten.

Vieles ist hier anders als an staatlichen Schulen. Die Schüler lernen hier 12 Jahre. Sie haben drei oder vier Wochen langtäglich 2 Stunden das gleiche Fach, z.B. Deutsch, Chemie, Mathematik. Danach haben sie einen normalen Stundenplan. Und diese Reihenfolge wiederholt sich. So kann man sich gut auf eine Sache konzentrieren. Es gibt hier keine Zeugnisse und kein Sitzenbleiben. Auf dem Stundenplan stehen auch solche Fächer wie Religion, Werken, Gartenbau, Chor, Orchester oder Malen. Schon in der ersten Klasse lernt man zwei Fremdsprachen — Englisch und Französisch. Am Ende der zwölften Klasse können die Schüler das Abitur machen und weiter studieren. 

Panoramablick auf die Rudolf-Steiner-Schule in Loheland

Das duale System. Das duale System der Berufsausbildung sieht vor, daß die Schüler ein Berufspraktikum in einem Betrieb haben und gleichzeitig eine Berufsschule besuchen, um dort fachtheoretischen Unterricht zu bekommen. Das Berufspraktikum wird zweimal durchgeführt. Zweimal können die Schüler der neunten Klassen in einen Betrieb ihrer Wahl gehen. Je drei Wochen können sie dort ihren Wunschberuf ausprobieren und größere Auswahlmöglichkeiten haben. Das schützt vor Enttäuschungen, und vielleicht findet man ja sogar seinen Traumberuf. Alle Praktikanten schreiben am Ende jedes Praktikums einen Bericht.

Die betriebliche Berufsausbildung wird in Betrieben der Wirtschaft in Einrichtungen des öffentlichen Dienstes und der freien Berufe oder in Haushalten durchgeführt. In der Berufsschule erhalten die Jugendlichen vor allem fachtheoretischen Unterricht. Er erfolgt an 1-2 Tagen der Woche oder in mehrwöchigen Unterrichtsblöcken im Wechsel mit der betrieblichen Ausbildung.

Schulwegweiser

Rudolf Steiner

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